Samstag, 14. April 2012

8. Klasse Theater (1.Teil)

Ich habe beim Schreibtischaufräumen eine CD mit Fotos von unseren Proben und einer Aufführung entdeckt. Eine gute Gelegenheit die Theaterarbeit noch einmal zu erinnern.

Das Tagebuch der Anna Frank



Blick auf unsere selbstgebaute Bühne mit dem einfachen Kulissen

Was für ein Stück für eine 8. Klasse! Können 8. Klässler überhaupt ansatzweise füllen, was es dafür braucht? - Wieviel Fragen bewegen einen als Klassenlehrer, wenn man sich auf die Suche nach dem passenden Stück für seine Klasse macht.

Das 8. Klasstheaterstück ist neben den Jahresarbeiten ein Herzstück des 8. Schuljahres. Wir hatten fast in jedem Schuljahr ein Theaterstück gespielt:

  • 1. Klasse: „Es klopft bei Wanja in der Nacht“
  • 2. Klasse: Odilie
  • 4. Klasse: Baldur
  • 5. Klasse: Ein besonderes Weihnachtsstück (von allen alten Kulturen
  • 6. Klasse: Kleiner König Kalle Wirsch (Eurythmie)
  • 7. Klasse: Der Zauberer von Oz (Marionettenspiel)
Bereits im Laufe des 7. Schuljahres waren wir gemeinsam am Überlegen, welches unser Theaterstück werden könnte. Einige Kinder hatten schon seit der 4. Klasse immer wieder Fragen zur Zeit des Nationalsozialismus. Immer wieder hatte ich ihnen in Aussicht gestellt, das wir uns mit dieser Thematik in der Geschichtsepoche in der 8. Klasse beschäftigen werden. 
Vorbereitend auf die Stückwahl lasen wir „Das Tagebuch der Anne Frank“. Bald kristalisisierte sich heraus, dass es das passende Stück für die Klasse war. Hier verbanden sich mehrere Themen der Klasse: die Frage nach der Zeit des Nationalsozialismus, die Suche des eigenen Wegs durch die Pubertät, die Abgrenzung von den Erwachsenen, die große Lebenslust die Anne ausstrahlt, die Fragen nach Mut und Zivilcourage,... 
Auch ich musste erst einmal Mut fassen für dieses Stück. Es brauchte auch Mut, mich selbst an die Regie zu wagen. Die kleinen Theaterstücke bisher waren mit diesem Vorhaben nicht zu vergleichen. Doch mir war deutlich, wenn ich mit den Kindern den Entwicklungsweg gehen möchte, den dieses Stück bietet, dann braucht es vor allem einen deutlichen pädagogischen Ansatz in der Regiearbeit. Das Theater in unsrer Nähe bot einige spannende Kurse an, auch auf der Sommertagung in Stuttgart gab es einen hilfreichen Kurs, so dass meine Entscheidung bald klar war, ich würde es selbst wagen. Zum Glück gibt es auch einiges an Literatur und der Rest war learning-by-doing. Bald zeigte sich, dass ein Schüler der geborene Regieassistent war. Mein Ansatz ging stark vom Biografischen Theater aus. So spielten wir in vielen improvisierten Szenen selbst Erlebtes und machten ganz verschiedene Theaterübungen bevor wir uns an das eigentliche Stück wagten.
Außerdem fuhren wir für drei Tage auf eine Hütte und versuchten an jedem Tag  2 1/2  Stunden lag uns so ruhig zu verhalten wie die Untergetauchten es mussten. Was für eine Herausforderung! Die Erfahrungen hielten wir in einem Videotagebuch fest. Einen Zusammenschnitt davon gab es in der Aufführungspause des Theaterstückes zu sehen.
Außerdem konnten wir einen ganz besonderen Gast begrüßen. Buddy Elias, Anne Franks Cousin, der in der Schweiz lebt und selbst Schauspieler ist, kam uns besuchen und wir konnten mit ihm im Gespräch sein und unsere vielen Fragen stellen.


Hier geht es weiter.

1 Kommentar:

Inselzauber hat gesagt…

Es klopft bei Wanja in der Nacht hat mein Sohn im Kindergarten auch gespielt. Mir wird es gerade ganz warm ums Herz wenn ich das lese. Mein Gott heute ist der Kerl fast 17, überragt mich um einen Kopf und Muttern schnieft wenn sie daran denkt. LG Kirsten

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