Sonntag, 6. Mai 2012

Gedanken zur Sitzordnung (2)

Wie ich die Sitzordnung eingeführt habe (Fortsetzung von hier):


Nachdem der "offizielle Teil" der Einschulung beendet war, zog ich mit meinen 1. Klässlern in einer langen Schlange von unserem Einschulungsplatz im Schulgelände in Richtung Schulhaus. Dort erwartete  uns schon ein Menschenspalier gebildet durch die Schulgemeinschaft, durch das wir in das Schulgebäude einzogen. Im Flur an der Garderobe sammelten wir uns, nach dem noch einige schnell auf die Toilette verschwunden waren. Eingeschult werden ist aufregend! Jeder fand seinen Garderobenplatz heraus, denn ich hatte die Garderobenleiste mit Namensschildchen versehen. Dafür hatte ich mir zu jedem Geburtsmonat der Kinder ein Blümlein überlegt, dass zu dieser Zeit blüht. Mit Aquarellfarben habe ich dann die Blumen auf farbig lasierten Papier gemalt und mit Aquarellstiften in großen Druckbuchstaben die Namen dazu geschrieben.

Zum Glück gibt es inzwischen Farbkopierer. So stand einer Zweitverwertung der Namensbilder nichts im Wege. Ich kopierte jedes Schild farbig auf die Mitte eines  weißen DIN A5 Blattes. Dieses Blatt benutze ich, um die zwei Wachsblöckchen, die die Kinder am ersten Schultag bekamen, einzuwickeln.

Als wir nun alle freudig aufgeregt vor der Klassenzimmertür standen, bekamen die Kinder von mir die Aufgabe, ihren Sitzplatz herauszufinden. Ich hatte die Bänke vorher bereits entsprechend gerückt und auf jedem Platz das Wachsblöckchen-Päckchen mit dem Namensbild des Kindes bereitgelegt. Es dauerte gar nicht lange, da hatten alle ihren Platz gefunden. Manche natürlich noch mit Hilfe der neuen Klassenkameraden. Und die erste Schulstunde konnte beginnen.

Während der Unterrichtsstunde erklärte ich den Kindern, dass sie nun immer so sitzen werden, wenn wir an den Bänken arbeiten. Und, dass ich schon ganz gespannt bin, ob sie am nächsten Schultag ihren Platz wiederfinden. Wir überlegten uns, welche Orientierungsmöglichkeiten es gibt. Sitze ich ganz vor, ganz hinten, sitze ich in der Mitte, ... sitze ich an der Türseite oder an der Fensterseite,..., wer sitzt neben mir, vor oder hinter mir,...
An diesem Tag räumten wir die Bänke auch nicht um, sondern ließen sie in der Sitzordnung stehen, so dass nach der Einschulung auch noch Gelegenheit war, Fotos am Sitzpaltz des Kindes zu machen.

Am nächsten Morgen aber begannen wir den Unterricht im Kreis und jedes Kind durfte sich seinen Platz frei wählen. Das dies so sein würde, hatte ich den Kindern am Einschulungstag gesagt. Nach unserem Morgenkreis und unserer Waldrunde, hieß es nun umräumen und den eigenen Platz wiederfinden. Es ging kurz zu wie bei den Ameisen und auch nicht viel lauter.  Und husch - die Bänke standen richtig. Einige Kinder waren noch ganz orientierungslos. Doch der Sitznachbar wusste gleich, wer neben ihm noch fehlte. So fanden sich alle in kurzer Zeit an ihren Plätzen ein.

Inzwischen ist dies gar keine Schwierigkeit mehr. So sind die Umräumaugenblicke kurze Wuselmomente, die sich aber gleich wieder ordnen und eine aufmerksame Arbeitsstimmung eröffnen.

Mehr zum Schulanfang hier.

1 Kommentar:

martina hat gesagt…

Durch eine simple Google-Suche bin ich heute auf Ihren Blog gestoßen! ich bin verzückt. Seit nun mehr eineinhalb Jahren bin ich Waldorf-Schul-Mama und immer wieder stellen sich mir Fragen, warum wird das so gemacht und warum nicht so. ich gestehe, die anthroposophische Literatur ist für mich meist sehr trocken und da ich selber keine Waldorfschülerin war sind manche Dinge mir einfach sehr fremd.
Hier habe ich aber das Gefühl, dass sich viele Dinge plötzlich erschließen. Wie z.B. das Thema der Sitzordnung. Danke dafür.
Viele Grüße Martina.

PS: ich lese jetzt mal weiter!

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