Samstag, 14. Juli 2012

Unser Theaterstück "Der Wolf und die sieben Geißlein" (Teil 1)

Mit meiner alten Klasse hatte ich  auch bereits in der ersten Klasse begonnen, Theater zu spielen. Die neue Klasse ist noch viel spielfreudiger (vielleicht liegt das aber nur daran, weil ich inzwischen auch noch spielfreudiger geworden bin).
Fast jedes Sprüchlein variieren wir und sprechen es in unterschiedlichen Stimmungen oder als verschiedene Personen, mal der Großvater,mal die Mutter, mal der wütende Onkel, mal das kleine Kind,...  So lag es nahe, vielleicht ein kleines Theaterstück zu spielen. Welches Stück aber würde zu ihnen passen?


Blick in das Haus der Geißlein -
Die Holztruhe verwandelt sich noch in den Uhrenkasten.


Gern tauchen die Kinder der Klasse in die verschiedenen Märchenstimmungen ein. Vor den Osterferien hatte ich ihnen das Märchen "Der Wolf und die sieben Geißlein" erzählt, das fast allen bereits bekannt war.  Freudig haben die Kinder das Märchen nacherzählt. Könnte daraus unser Theaterstück entstehen?
Erst einmal malten wir das Märchen in unser Märchenbilderbuch (Epochenheft zu den verschiedenen Märchen und Geschichten des Schuljahres). Welche Bilder des Märchens eignen sich besonders, um sie aufzumalen? Verschiedene Ideen wurden gemeinsam besprochen. An die Tafel malte ich ein großes Bild, auf dem die Geißlein mit ihrer Mutter um den Brunnen tanzten, während der Wolf gerade in den Brunnen fiel. Die Kinder fanden aber auch ganz eigene Motive.

Im Morgenkreis improvisierten wir dann das Märchen als ganz freies Spiel. Das Haus der Geißlein wurde aus Bänken gebaut. Der quer gelegte Besen wurde schnell zur Tür erklärt. Der Müller zog in seine hoch aufgetürmte Mühle aus unseren Sitzbänken ein. Aus ein paar Sitzkissen wurde der Brunnen. Zwei Sitzklötze und ein Wackelbrett waren der Baum. Krämer und Bäcker bauten ihre Läden auch aus Sitzklötzen. War mein Hund an solchen Tagen dabei, so musste es auch mitspielen. Nicht als Wolf, sondern als Hund des Bäckers oder Müllers.

Inzwischen hatte ich das Märchen in Reime gefasst und den Kindern den Text mitgebracht. Am Anfang sprach ich den gesamten Text für sie. Spielend und hörend nahmen sie die verschiedenen Rollen auf.
In dieser Zeit war es mir ganz wichtig, dass jedes Kind jede Rolle wenigstens einmal gespielt hatte. Ganz nebenbei wurden die Kinder immer textsicherer. Erst drei Wochen vor unseren Aufführungen haben wir die Rollen festgelegt. Welch glückliche Fügung, dass jedes Kind mit seiner Rolle froh verbunden ist. Klar war, jede Rolle ist wichtig und alle Rollen müssen besetzt sein. Trotzdem führten der Bäcker, der Krämer und der Müller während des noch freien Spiels oft ein Schattendasein. Mit dem Ausblick, dann am nächsten Tag das jüngste Zicklein spielen zu dürfen, fand sich dann doch immer ein williger kleiner Schauspieler. So war ich dann selbst ganz überrascht, dass sich sogleich eine Bäckerin und ein Krämer fand, als wir die Rollen fest besetzten. Wir werden einmal für die Eltern, Geschwister und Verwandte spielen und einmal für den Kindergarten, die Brückenklassen, die 2. Klasse und vor allem für unsere Patenklasse. Da sich zwei Wölfe, zwei Mütter und zwei jüngste Geißlein fanden, gibt es nun zwei Besetzungen. Jede ist ganz individuell. 

Was ich im Entstehungs- und Rollenverteilungsprozess besonders spannend fand und bereits von meiner alten Klasse kannte, wenn ich bestimmt hätte, welche Rolle welches Kind spielen sollte, wären genau diese Besetzungen herausgekommen. Aber mit einem langen Atem und viel Zeit für das freie Spiel fanden alle "wie von allein" in die Rolle, in der sie über sich hinaus wachsen konnten.  


1 Kommentar:

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Ich war hier, Grüsse
Elisabeth

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