Montag, 24. September 2012

Stundenplan und Tagesgestaltung Klasse 1

Gestern, beim Aufräumen unseres Klassenzimmerschranks, fiel mir der alte Stundenplan in die Hände:





Eine gute Gelegenheit, den Tages- und Wochenrhythmus des letzten Schuljahres zu erinnern:
Unsere Unterrichtszeit war von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr.  Da wir keine Schulglocke haben, die uns den Rhythmus vorgibt, konnte ich mit den Kindern am Anfang gut tasten, wie denn unsere Rhythmus zwischen Versammlung und freiem Sein, zwischen Konzentration und Entspannung, zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen Stille und reden, singen, zuhören, zwischen Einantmen und Ausatmen . . . sein konnte. Bis zu den Herbstferien fand auch noch kein Fachunterricht statt, so dass wir wirklich Zeit hatten, gemeinsam in der ersten Klasse und in der Schule anzukommen.

Der Tageslauf:

Einige Kinder kamen schon sehr früh, andere erst kurz vor Unterrichtsbeginn. Oft entstand dann schon das erste Spiel oder es war etwas zu malen, schreiben oder basteln. Oft ließ ich das Begonnene erst einmal ausklingen oder wenigstens ein Weilchen weiter klingen bis wir uns im Morgenkreis versammelten.

Die Kinder liebten es, wenn unser Erzählstein wanderte, und oft musste noch Einiges in der Erzählrunde erzählt werden bis wir wirklich beginnen konnten, in dem wir einen kleinen Anfangsspruch und im Anschluss den Morgenspruch sprachen. Hier schloss sich unser Rhythmischer Teil mit Sprüchen, Lieder, Tänzchen, Fingerspielen,.. passende zur jeweiligen Epoche an. 

Unser Schulgelände liegt wundervoll am Waldrand. So einladen, dass wir nach dem Morgenkreis erst einmal eine Waldrunde liefen. Jeden Tag den selben Weg. Was gab es da alles zu entdecken! Wie sich der Weg im Wandel der Jahreszeiten veränderte. Mal begleitete uns die Katze des Hausmeisters, mal war auch mein Hund unser Wegbegleiter.  Gut durchlüftet, durchwärmt und wirklich bewegt kamen wir nun im Klassenzimmer an, um uns dem Arbeitsteil der jeweiligen Epoche zu widmen.

Daran schloss sich der wichtigste Teil des Tages an. :-) Das gemeinsame Frühstück und die Pause im Schulgelände. 
Jedes Kind hat sein eigenes Vesper dabei. Nur an den Geburtstag essen wir gemeinsam einen Geburtstagskuchen. Aber Äpfel gibt es immer für alle. Die Eltern besorgen reihum ein paar Kilo Äpfel, die ich für alle aufschneide. Wir haben auch so einen tollen Apfelschäler:

Da schmecken die Äpfel gleich noch einmal so gut.
So gestärkt konnte man dann gut in der Pause Pferdchen spielen, das Bächle stauen, Fangi spielen, Zwergenhöhlen bauen,...

Ab Herbst schlossen sich an die Pause unser Fachunterricht oder das Wassserfarben malen an bzw. am Dienstag und Mittwoch die getauschten Hauptunterrichtsepochen. Am Ende dieses Teiles war dann die allerschönste Zeit des Morgens für manche Kinder, noch schöner als Frühstück und Pause.
unsere Märchenerzählzeit.

Mit einem gemeinsamen Spruch beendeten wir den Schulmorgen und verabschiedeten uns voneinander.

Der Wochenrhythmus


Jeder Wochentag hatte aber sein ganz  eigenes Gesicht.

Der Montag begann immer mit einem gemeinsamen Singkreis der Unterstufe, in dem auch alle Klassen gemeinsam dem Morgenspruch sprachen. Danach wanderten wir  mit unseren Rucksäcken in den nahen Wald und hatten bald schon unseren Lieblingsplatz. Regen, Schnee und hagel hielt uns nicht ab. Aber an zwei Montagen stürmte es so stark, dass ich es nicht wagte, mit den Kindern in den Wald zu gehen.

Am Dienstag besuchten wir fast jede Woche unsere Paten und spielten mit ihnen, so dass der Hauptunterricht erst nach der Pause stattfand.

Am Mittwoch hatten wir in der Zeit des Hauptunterrichtes Eurythmie, das hat sich so im Laufe des Schuljahres aus der Stundenplangestalt und der Raumbelegung ergeben. So fand auch am Mittwoch der  Arbeitsteil des Hauptunterrichtes erst nach der Pause statt.

Am Donnerstag kam die Handarbeitslehrerin nach der Pause zu uns. Munter lernten die Kinder das Stricken und hatten viel Freude an ihren selbstgestrickten Zwergen.

Der Freitag klang mit Wasserfarbenmalen nach der Pause aus.



Der Stundenplan vom zweiten Schuljahr ist hier.

Kommentare:

Eva hat gesagt…

Das klingt alles so schön und harmonisch!! Meine Epochen sind oft durch Windelwechsel, Stillzeiten, Krankheit des einen oder anderen Kindes unterbrochen worden:). Nun haben wir ja kein Baby mehr, doch kann ich leider nie so einen schönen Tag aufbauen, da ich ja 3-4 Epochen am Morgen unterrichten muß. Ich will mich nicht beschweren, doch manchmal wünschte ich mir, wir hätten doppelt so viel Zeit! Da ich jetzt mehr Zeit für die oberen Klassen investieren muß, denke ich manchmal, daß die Kleinen zu kurz kommen, obwohl die auch sehr gut alleine spielen können. Aber alles kann man ja auch nicht haben. Dein gemalter Stundenplan ist auch sehr schön.

Was sind aber denn nun "Paten"?

Nula hat gesagt…

Liebe Eva,

Paten gibt es an vielen Schulen.
Bei uns ist so so: Am Tag der Einschulung bekommt jeder 1. Klässler seinen Schulpaten, einen Schüler aus der 8. Klasse. Bereits an der Einschulung gesellt sich dieser zum Kind. Jedes Kind bekommt vom Paten eine Sonnenblume geschenkt. Die Paten kümmern sich um die Kleinen, spielen ihre alten Lieblingsspiele mi ihnen, helfen bei Festen mit, zeigen ihnen die Schule ... Im Laufe der Zeit entsteht eine richtig schöne Verbindung zwischen den Kindern und ihren Paten, manchmal so gar über die Schule hinaus.

Liebe Grüße
Nula

Eva hat gesagt…

Ach so, die Waldorfschule hier hat so etwas ähnliches: Bei der Einschulung bekommt jeder Erstkläßler eine Rose von einem Achtkläßler, doch ich glaube nicht, daß es darüber hinaus geht, also es wird keine Freundschaft aufgebaut. Das ist ein schöner Brauch, so wie Ihr das macht, finde ich.

Anonym hat gesagt…

Ich werde bald Pate für ein Erstklässler und ich freue mich sehr darauf. Ich hoffe ich verstehe mich gut mit dem Kind und kann viel Zeit in Pausen oder Außerschulisch verbringen...

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